In Dorfen gibt es eine Ludwig-Thoma-Straße, die südlich der Buchbacher Straße verläuft. Ludwig Thoma ist den meisten von uns ein Begriff. Aber was wissen wir von ihm? Ein toller bayerischer Schriftsteller, der dem Volk auf‘s Maul geschaut hat?

Sicherlich, aber da war noch mehr. 1867 in Oberammergau geboren, hatte er nach seinem Jurastudium eine Anwaltskanzlei in Dachau. Kurz bevor er sich für Dachau entschied, überlegte er, ob nicht auch Erding eine Option wäre. Mit 28 Jahren entdeckte er das Schreiben.

Er schrieb zuerst Artikel gegen die Sozialdemokratie. Damit lag er im Trend der Zeit. Sozialdemokratische Frauen waren ihm ein Gräuel. Schon nach wenigen Jahren gab er die Kanzlei auf und ließ sich bei der Satirezeitschrift Simplicissimus fest anstellen. Bis zum 1. Weltkrieg galt Thoma durch seine Kritik an Gesellschaft, Kirche und Staat als eher linksliberal. Als Kriegsfreiwilliger kam er an die Ostfront, wurde verwundet und anschließend ausgemustert. Die Kriegserlebnisse machten ihn nicht – wie viele andere damals – zu einem Pazifisten. Ganz im Gegenteil, er blieb Militarist und engagierte sich bei der Deutschen Vaterlandspartei.

In den Jahren 1920/21 schrieb er für den Miesbacher Anzeiger. Nicht zuletzt seine antisemitischen Hetzartikel sorgten dafür, dass die Auflage der Zeitung von 4000 auf 18000 stieg. Norbert Göttler, Bezirksheimatpfleger von Oberbayern, ein Mann der nicht zu vorschnellen Verurteilungen neigt, zu Thoma: „Seine hasserfüllten, feigen, weil anonymen Zeilen sind Zeilen der Gewalt und der pervertierten Heimattümelei ... Ludwig Thoma hat nicht mehr erlebt, dass Tiraden wie die seinen zu Leitparolen des Dritten Reiches wurden. Seinen Ruf hat er damit nachhaltig ruiniert.“

Nicht jedoch in Dorfen, wo man sich auch heute noch durch einen Straßennamen zu diesem unsäglich reaktionären Schriftsteller bekennt.

Termine

21.06.21 | 12:00 - 21:00 - 21.06.21
| Ausstellung und Begleitprogramm

Kunst von links unten! Bilder einer Bewegung
München, Barrio Olga Benario

"Erwarte keine andere Antwort als die deine."

Bertolt Brecht

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