Rund ein Jahr treibt nun der Virus SARS-CoV-2 (im weiteren „Corona-Virus“) sein Unwesen unter den Menschen.  Bis Ende 2020 gab es nach offiziellen Zahlen weltweit 82 Mio. Corona-Infektionen und 1,8 Mio. Todesfälle. Die am stärksten betroffenen Länder sind a) nach Infektionsraten Tschechien, USA, Belgien, Schweiz, Israel, Niederlande, Spanien, Österreich, Frankreich, Brasilien, Argentinien und b) nach Todesraten Belgien,  Italien, Peru, Spanien, Großbritannien, USA, Tschechien, Frankreich, Argentinien, Mexico, Brasilien, Chile - kurz: Das Virus wütet vor allem in Europa, Nord- und Südamerika.

Mr. Trump hatte zu Beginn der Pandemie getrötet, China hätte sie verschuldet und sein Job sei es, die Zahl der Corona-Toten in den USA nicht über 100.000 steigen zu lassen. Ende 2020 haben die USA ca. 330.000 Corona-Tote, das ist jede/r 1000. Einwohner*in. Spitzenreiter Belgien hat 1,6 Tote je 1000 Personen und in Deutschland sind‘s 0,34 je 1000.

Covid-19 ist keine überraschende Naturkatastrophe sondern war eine erwartbare Folge hochintensiver Tierverarbeitung in warenproduzierenden Gesellschaften. Wie schon bei der Vogelgrippe (1997), SARS (2002/2003), Schweinegrippe (2009) und MERS (2012) entsprang auch das Corona-Virus südostasiatischen Wildtierbeständen, die immer enger - sowohl innerhalb der Art wie auch in Bezug auf die Menschen - gehalten werden. Dies begünstigt, dass Erreger die Tier-Mensch-Schranke überspringen um sich dann über Märkte in Metropolen und von dort mit modernsten Verkehrmitteln in die ganze Welt zu verbreiten.

Obwohl hierzulande Pandemie-Szenarien, die der Covid-19-Pandemie teilweise unglaublich ähnelten, schon vor Jahren testweise durchgespielt wurden und die Gefahr einer pandemischen Zoonose sowohl Wissenschaftler*innen wie auch staatlichen Stellen bekannt war, hat praktisch kaum Vorsorge stattgefunden: Es fehlte an Schutzkleidung, Schutzmasken, Beatmungsgeräten und Personal.

In anderen Ländern war und ist die Lage oft noch dramatischer. Vor allem weil dort das Gesundheitssystem auf einem niedrigeren Niveau als in Deutschland neoliberal zugerichtet wurde. Bergamo in Italien gab dabei das erste tragische Beispiel, andere Städte wie New York City folgten: Kranke konnten nicht mehr adäquat behandelt werden und starben wie die Fliegen. Lastwagenweise wurden sie weggekarrt oder in Behelfsmassengräbern eingebuddelt.  

Unter den schwerwiegenden Krankheitsverläufen waren und sind relativ viele Arme. Aus Geldnot oft medizinisch unterversorgt, durch Arbeitsstreß und Existenzängste erschöpft und durch Angewiesenheit auf öffentliche Verkehrsmittel dauerexponiert, sind sie deutlich vulnerabler als Reiche mit privatversicherter Premiumversorgung, Individual-Limousine und High-End-Work-Life-Balance. Wo es nur rudimentäre Gesundheitsversorgung gibt wie in Peru oder Kolumbien wurden viele tote Arme am Straßenrand zusammengesammelt, meist ohne konkrete Diagnose aber einem Verdacht auf Corona. Am schlimmsten aber traf und trifft es die absolut Elenden im Jemen: Fast jede/r Dritte stirbt dort an einer Corona-Infektion.

Die weltweit gegen die Ausbreitung ergriffenen Maßnahmen sind historisch beispiellos und waren anfangs nicht einheitlich. Manche Länder wie Schweden oder Tschechien verzichteten zunächst auf eine Lockdown-Politik und hofften auf eine allmähliche Herstellung einer Herdenimmunität ohne Überforderung ihrer Gesundheitssysteme. Aufgrund stark steigender Infektionszahlen sind sie aber mittlerweile auch zur Lockdown-Politik übergegangen. Neidisch aber vorwurfsvoll registrieren viele westliche Regierungen, dass das noch autoritärere Corona-Regime Chinas das weltweit erfolgreichste ist: Dort gibt es nach offiziellen Zahlen bis heute nur 4600 Corona-Tote. In den USA sind‘s relativ zur Bevölkerung gesehen 280 mal mehr, in Deutschland 90 mal.

Der Umwelt verschaffte das weltweite Herunterfahren eine Atempause, viele Unternehmen jedoch stürzte es in eine existenzielle Krise, zumal die Pandemie eine bereits vorhandene Krise, insbesondere in der Automobil- und  Maschinenindustrie noch verstärkte.  Was von staatlicher Seite aufgeboten wurde, um die Wirtschaft nach alten Prinzipien aufrechtzuerhalten, sprengt alle bisherigen Rekorde, auch die der Weltwirtschaftskrise von 2007-2012. Alle Staaten legten riesige Unternehmenshilfsprogramme u.a. auf und verschuldeten sich dafür immens. In Deutschland kletterte die Staatsverschuldung im Corona-Jahr 2020 von 1,9 Bio. € auf ca. 2,3 Bio €., in den USA von 23,2 Bio. $ auf 27,1 Bio. $. Vor allem die EU-Staaten Griechenland, Italien, Frankreich, Portugal, Belgien und Spanien bringt der Schuldenzuwachs in größte Schwierigkeiten.

Ausblick
Mit Fortschreiten der Impfkampagnen stellt sich bis Ende 2021 wieder der weltkapitalistische Normalbetrieb ein, allerdings mit leicht verschobenen Gewichten: China hat gewonnen, die USA verloren, die EU wackelt  noch mehr wie davor. Viele Kleinunternehmer*innen und Solo-Selbständige hat die Krise ruiniert, manche Reiche noch reicher gemacht. Die „Querdenker“ bilden mit Reichsbürgern, AfD und Pegida eine „Patriotische Front“ und Söder wird mit den Stimmen des grünen Koalitionspartners Bundeskanzler.

Termine

13.05.21 | 18:00 - 20:00
| Onlineveranstaltung

Öffentlich statt privat – Warum Gewerkschaften für öffentliches Eigentum kämpfen sollten
Online/Zoom
25.05.21 | 19:00 - 20:30
| Onlineveranstaltung

Revolte in Chile und der Weg zu einer neuen Verfassung
Online/Zoom

„Hinter jedem großen Vermögen steht ein Verbrechen.“

Honoré de Balzac

Analyse & Kritik News

  • Hauptsache, dem Spargel geht es gut
    Die Spargelernte beginnt – und mit ihr kommt eine der übelsten Ausbeutungsmaschinerien der Republik ins Rollen: die saisonale Landwirtschaft. Rund...
  • Welche Notbremse?
    Eine Frage, die sich angesichts der Corona-Politik der letzten Monate und der aktuellen »Notbremse« aufdrängt, lautet: Warum ist das politische...
  • Free Lina
    Es ist ein Bild mit Suggestivkraft: Mit Sturmhauben vermummte Polizeibeamte stehen neben einem Hubschrauber, aus dem eine junge Frau in Handschellen...