Leistungssteuerung und Arbeitsbelastung im digitalen Kapitalismus

Samstag, 29. Juni 2019 | 10:30 Uhr
Ort : München, DGB-Haus

Um Arbeitskraft für das Unternehmens­interesse nutzbar zu machen, braucht es mehr als den bloßen Arbeitsvertrag: Um die Leistung von Beschäftigten zu kontrollieren und – wichtiger noch – zu aktivieren, verfolgen Unternehmen spezifische Strategien der Steuerung.

Der Taylorismus mit der rigiden Trennung von planenden und ausführenden Arbeiten und streng hierarchischer Kontrolle gehört zu den berühmtesten Beispielen eines Systems betrieblicher Leistungssteuerung. Mit der „Subjektivierung von Arbeit“ und der „Vermarktlichung“ des Unternehmens haben sich neue Formen der Leistungssteuerung durchgesetzt, die die Ursachen klassischer Belastungsfaktoren scheinbar überwinden: Flachere Hierarchien, flexible Arbeitszeiten, mehr Autonomiespielräume und die Nutzung subjektiver Potenziale sind Teil der betrieblichen Arbeitsrealität geworden.

Dies bedeutet für die Beschäftigten allerdings keineswegs weniger Zwang und weniger Belastung. Denn an die Stelle starrer Hierarchien und rigider Prozesskontrolle ist die unmittelbare Konfrontation mit Marktanforder­ungen, die Steuerung über (marktorientierte) Kennzahlen und die Übertragung unter­nehmerischer Verantwortung auf die Beschäf­tigten getreten. In solchen Konstellationen scheinen Beschäftigte oftmals aus eigenem Antrieb und gegen ihre eigenen Interessen arbeitspolitische Regulierungen zu unterlaufen und zur eigenen Leistungsintensivierung beizutragen.

Welche gewerkschaftlichen Handlungs­strategien unter diesen Bedingungen (noch) greifen ist ebenso Gegenstand der Diskussion des Seminars wie jüngste Veränderungen im Verhältnis von Kontrolle und Belastung durch Digitalisierung von Arbeit: So nähren die neue Fülle prozessbezogener Daten, der Einsatz von Assistenzsystemen und digitale Echtzeitsteuerung zum einen Befürchtungen eines „digitalen Taylorismus“, zum anderen verschärfen Vernetzungstechnologien und neue Formen digitaler Arbeitsorganisation die Unmittelbarkeit von Marktabhängigkeiten.

ReferentInnen:
Dr. Sarah Nies, Institut für sozialwissenschaftliche Forschung München
Prof. Dr. Wolfgang Menz, Fachbereich Sozialökonomie der Universität Hamburg

Veranstalter: DGB Bildungswerk Bayern
Eintritt: 5,- €

Anmeldung unter
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

 
 

Termine

11.06.20 | 20:00
| Film

Jenseits des Krieges*
Taufkirchen, Kinocafé

Analyse & Kritik News

  • Der Streik bei Spargel Ritter
    Am Freitag, den 15. Mai, legte ein Teil der 250 Saisonarbeitskräfte der Firma Spargel Ritter in Bornheim (Nordrhein-Westfalen) die Arbeit auf...
  • Ihre Freiheit und unsere
    Zu Beginn der Corona-Pandemie gab es Hoffnung: Die Krise könnte das Ende des Neoliberalismus beschleunigen, eine bedarfsorientierte...
  • Kaserniert und infiziert
    Während in der deutschen Öffentlichkeit wochenlang heiß über Corona-Partys und Mund-Nasen-Schutz gestritten wurde, gerieten ein...

German-Foreign-Policy-News

  • Mehr Militär für den Sahel (II)
    (Eigener Bericht) - Mit der heutigen Entscheidung des Bundestages über die Verlängerung sowie die Ausweitung des Bundeswehreinsatzes in Mali stärkt...
  • Die Meister der doppelten Standards
    (Eigener Bericht) - Ein deutscher Politiker bringt mit Blick auf die Proteste in Hongkong EU-Sanktionen gegen China ins Gespräch. Die EU solle sich...
  • Die Pandemie als welthistorische Wende
    (Eigener Bericht) - Zunehmende Fraktionierungen zwischen den Mitgliedstaaten der EU überschatten die für heute angekündigte Präsentation eines...